Zu Besuch im IVF Zentrum

Dr. Murtinger

Ich treffe Herrn Dr. Murtinger in der Schweizer Zweigstelle des IVF-Zentrums Dr. Zech. Das Zentrum verdankt seinen Namen dem Gründer, Dr. Zech; er und seine Familie sind in vielen Bereichen des Unternehmens beschäftigt. Dr. Murtinger, Schwiegersohn des Gründers, spricht mit mir in seinem geräumigen Büro nach Abschluss seiner Patientenbetreuung. Feierabend, aber nicht Arbeitsende – nach unserem Gespräch steht noch ein informaler Vortrag an, doch er scheint frisch und munter zu sein.

Ich besuche ihn heute, um mich nach seiner Meinung und Philosophie zu erkundigen. Die vorbereiteten Fragen werden jedoch schnell über den Haufen geworfen, als er meine Broschüre über Traditionelle Chinesische Medizin durchliest. Sie spreche ausschliesslich Frauen an, beginnt Dr. Murtinger seinen Appell an die Verantwortung der Männer, Unfruchtbarkeit eines Paares sei aber oft auch in der männlichen Seite verwurzelt. (In der Tat ist männliche Unfruchtbarkeit in 20% der Fälle der Hauptfaktor, in etwa 30-40% zumindest beteiligt.) Wie könne es dann sein, dass man sich nur auf die Frauen fokussiere? Ich erkläre, dass es die Frauen seien, die die Termine vereinbaren, aber er ist nicht überzeugt. Die Männer können sich ausgeschlossen fühlen, wenn sich Mediziner und Therapien nicht intensiver mit ihnen befassen.

Das Thema geht nahtlos über in eine Diskussion über Spermien und Eizellen. Im Gegensatz zu den Spermien besitzen Eizellen zelluläres Material, so auch Enzyme, die die Reparatur der DNA ermöglichen. Spermien seien nichts als nackte DNA umhüllt von einer dünnen Beschichtung. Dies mache Spermien anfällig für Beschädigungen, z.B. durch freie Radikale, die eine wichtige Rolle für Anzahl und Motilität der Spermien spielen könnten. Dies müsse allerdings noch genauer erforscht werden, meint Dr. Murtinger. Ebenso fordert er eine grössere Auswahl an Vitamin-Therapie für die betroffenen Männer. (TCM-Phytotherapie kann unterstützend verwendet werden, wirkt aber nicht bei allen Patienten.) Ich erkundige mich nach der Rolle der Spermien-Beschaffenheit  und -Anzahl für das Gesamtbild? Laut Dr. Murtinger sei von einer Betrachtung isolierter Laborwerte abzuraten, wichtig sei die Wahrnehmung des gesamten Bildes, und es ist offensichtlich, dass er jede Behandlung als Einzelfall betrachtet und sich detailliert mit dem Behandlungsprotokoll beschäftigt. Er betont, dass man alle Faktoren gegeneinander abwiegen müsse, für eine positive, aber dennoch realistische Beurteilung. Ebenso bittet er mich, Kontakt mit ihm aufzunehmen, sollten wir gemeinsame Patienten behandeln.

Ich frage ihn nach der wichtigsten Sache, die er seinen Patienten mitgeben kann, doch diese Frage ist mit einem einzelnen Ratschlag nicht zu beantworten. Man müsse vor allem feinfühlig sein gegenüber den erhöhten Sensibilitäten der Patienten und zuerst alle Optionen offenlegen, denn oft gebe es weitere Möglichkeiten. Dies ist vor allem deswegen zutreffend, weil das IVF-Zentrum Dr. Zech auch Filialen in Indien und der Tschechischen Republik (oder der Slowakei? Oder beiden?) besitzt. Er möchte den Patienten vorschlagen offen zu bleiben, da es immer Innovationen am Horizont gebe, und unterstreicht, dass ein sich entfaltender Prozess auch immer zu neuen Entwicklungen führe. Dieses Wissen sei vor allem dann wichtig, wenn sich das Ehepaar gegen weitere Schritte der künstlichen Befruchtung entscheide. Auch solche Patienten können ihr Leben noch geniessen, als kostbar wahrnehmen und ihren Lebensweg gehen – nichts desto trotz hat er Mitgefühl für ihre Trauer.

Als nächstes möchte ich wissen, warum ausgerechnet Niederuzwil, eine Kleinstadt, als Schweizer Niederlassung ausgewählt wurde. Dr. Murtinger erklärt die Gründung des Zentrums als Familienbetrieb, eine persönliche Beziehung zum Patienten bilde die Grundlage, und dies könne nur geschehen, wenn man vor Ort sei. Niederuzwil befinde sich in räumlicher Nähe von St. Gallen, Winterthur und Zürich – im Gegensatz zum Hauptsitz des Zentrums im österreichischen Vorarlberg. Wobei man dort auch schon deutlich mehr mit der Schweiz als mit der Hauptstadt Wien zu tun habe.

Meine letzte Frage ist persönlicher Art: Wie alt Dr. Murtinger gewesen sei, als er sich für den Arztberuf entschieden habe. Schon immer, sagt er – und das passt.

 

 

 

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